Oury Jalloh das war Mord! – Gedenken am 12. Todestag in Dessau-Roßlau

Am 07.01.2017 beteiligten sich in Dessau ca. 2000 Menschen an der alljährlichen Gedenkdemonstration für Oury Jalloh.

Oury verbrannte 2005 in einer Dessauer Polizeizelle. Der Mord an ihm wurde trotz zahlreicher Hinweise auf ein Verbrechen bis heute nicht aufgeklärt, die mutmaßlichen Mörder*innen, Dessauer Polizeibeamte wurden nicht zur Verantwortung gezogen.
Trotz Minusgraden und starkem Schneefall gestaltete sich die Demo kraftvoll und entschlossen und konnte ein lautstarkes Zeichen gegen die sog. „Dessauer Verhältnisse“ setzen. In Redebeiträgen wurde darauf hingewiesen, dass der Mord an Oury in einer Reihe weiterer unaufgeklärter Todesfälle mit Hinweisen auf Verstrickungen Dessauer Polizeibeamt*innen steht.

Die Initiative im Gedenken an Oury Jalloh e.V. zeigte sich erfreut über die große Teilnehmer*innenzahl und sprach von einer der größten Gedenkdemonstrationen bisher.

Weitere Informationen zu Gedenkkampagnen und -aktionen sowie zu den Hintergründen des Mords an Oury Jalloh findet ihr hier: initiativeouryjalloh.wordpress.com

Pressemitteilung der Kritischen Jurist*Innen der HU und der FU Berlin und der Demobeobachtung Leipzig vom 07.01.2017

Am 7. Januar 2017 fand in Dessau die Demonstration in Gedenken an Oury Jalloh statt, die dieses
Jahr sehr großen Zulauf hatte. Es nahmen nach Angaben der Veranstalter*Innen ca. 2000 Personen
teil. Oury Jalloh verbrannte vor 12 Jahren in der Dessauer Polizeizelle 5. Anerkennung und
Ermittlung der Verantwortung der staatlichen Akteur*Innen am Tod Oury Jallohs sind bis heute
ausgeblieben.

Dieses Jahr führten die Kritischen Jurist*Innen der HU und der FU aus Berlin und die
Demobeobachtung Leipzig gemeinsam die Demonstrationsbeobachtung durch.
Demonstrationsbeobachtungen rühren aus der Erfahrung her, dass es bei vergleichbaren
Versammlungen immer wieder zu Beschränkungen der Demonstrationsfreiheit aus Art. 8 GG und
zu Übergriffen von Seiten der Polizei kommt.

Der Demozug setzte sich gegen 15.00h laut und kraftvoll in Bewegung und informierte das
verschneite Dessau mit Kundgebungen vor dem Amtsgericht, dem Landgericht, dem Stadtpark, dem
Rathaus und dem Polizeirevier, in dem Oury Jalloh verbrannte, über ihr Anliegen: Oury Jalloh, das
war Mord!

Die Zugspitze der Demo wurde von 30-40 Polizist*Innen begleitet, von denen einige
Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit ausgingen. Mit dem vereinzelten unnötigen Einsatz
von Handkameras wurde in Grundrechte der Versammlungsteilnehmer*Innen eingegriffen. Auch
die vereinzelt angefertigten Übersichtsaufnahmen waren überflüssig, da die Demonstration zu jeder
Zeit übersichtlich war.

Ebenso schränkte die Platzierung der Polizist*innen an Demospitze, zum Teil mit nur wenigen
Metern Abstand, die Sichtbarkeit der Fronttransparente erheblich ein und suggerierte eine
Gefährlichkeit der friedlichen Demonstrierenden.

Kristina Tiek, Pressesprecher*In der Beobachtungsgruppe bemerkte abschließend: „Diese kraftvolle
Demo hat im eisigen Dessau ein unverzichtbares und starkes Zeichen gegen institutionellen
Rassismus und rassistische Gewalt gesetzt. Umso wichtiger ist es, dass in Zukunft Maßnahmen wie
das überflüssige Filmen und die aufdringliche Polizeipräsenz an der Demospitze unterbleiben. Dies
kann die Öffentlichkeitswirksamkeit des wichtigen Anliegens beeinträchtigen.“

www.demobeobachtung.noblogs.org

Über den Autor

LEFT REPORT
Left Report ist ein junges kleines Medienkollektiv aus Berlin, das aus linkspolitischer Perspektive über aktuelle Geschehnisse berichtet. Unser Schwerpunkt liegt auf der foto- und videografischen Dokumentation von sozialpolitischen, antifaschistischen und antirassistischen Events, Protesten und Bewegungen, sowie auf der kritischen Berichterstattung über rassistische und neonazistische Veranstaltungen und Strukturen.